Ziele

Ob sogenannte ‚Trolle‘ den US-Wahlkampf beeinflusst haben, ist ungeklärt. Unstrittig ist dass, populistische Thesen in der ‚realen Welt‘ und in sozialen Medien großen Zuspruch erfahren. Extreme und populistische Parteien feiern in allen europäischen Staaten Wahlerfolge: Sie machen „Andere“ bzw. „korrupte Eliten“ für gravierende gesellschaftliche Probleme verantwortlich. Mit manipulativen Technologien (z.B. ‚social bots‘) und Desinformations-Kampagnen, versuchen radikale Gruppen und Organisationen diese Narrative in sozialen Medien zu stärken.

Die EC, EACEA und Eurydice definieren Ziele für Mitgliedsstaaten, um Extremismus und Populismus zu begegnen: „Enhancing critical thinking and media literacy, particularly the use of the internet and social media, so as to develop resistance to all forms of discrimination and indoctrination“ EC/EACEA/Eurydice, 2016. Promotiong Citizenship […] p.3 .
Die gezielte Stärkung einer demokratischen aktiven Bürgerschaft, z.B. im Bereich sozialer Netzwerke, wird als eine dringende bildungspraktische Gegenmaßnahme formuliert, denn junge Menschen beziehen ihre Informationen über Politik und Gesellschaft hauptsächlich über Foren wie Facebook, Twitter und YouTube. Auch der sog. „Islamische Staat“ nutzt YouTube für seine Propagandavideos, um Menschen weltweit zu rekrutieren. Hinter vielen seriös anmutenden Informationsangeboten verbergen sich rechtspopulistische und rechtsradikale Organisationen. Laut einer Studie des Oxford Internet Instituts machen Fehlinformation und Junk-Nachrichten „zwanzig Prozent aller politischen Nachrichten und Informationen auf Twitter“ aus.

Themen des DETECT-Projekts sind (u.a.):
- Die Bedingungen, unter denen Informationen entstehen und weiter gegeben werden (sozial, politisch, ökonomisch, technisch). Z.B.: Gründe, warum sich ‚false news‘ schneller und weitreichender verbreiten; die Einfluss von sehr finanzkräftigen Konzernen auf die öffentliche Meinung (Algorithmen), Auswirkungen von ‚bots‘.


- Eine verbesserte, kritische Urteilskompetenz von Schüler/innen (z.B. durch das Erkennen von sog. ‚computational propaganda‘)

- Die Stärkung der digitalen aktiven Bürgerschaft (z.B. Kennenlernen von Handlungsmöglichkeiten bei extremistischen und menschenfeindlichen ‚Nachrichten‘ bzw. posts)

Diese Ziele gehen einher mit der Studie „International Computer and Information Literacy“. Sie stellt fest, dass der „kompetente Umgang mit digitalen Medien und insbesondere die Kompetenz, medial vermittelte Informationen auszuwählen, zu verstehen, zu nutzen und zu kommunizieren, kontinuierlich an Bedeutung gewinnt‘ (Bos et. al 2014, 9). Ergänzend mahnt das BMBF (2017) an, „Kompetenzen für einen verantwortungsvollen und reflektierten Umgang mit ICT“ zu fördern.

Das DETECT Vorhaben verbindet Medien- und Demokratiekompetenzen mit dem didaktischen Konzept des forschenden Lernens.  Die Methode des forschenden Lernens bietet sich an, wenn Schüler neuen Inhalten begegnen, die sie unter der Perspektive bestimmter „Forschungsfragen“ überwiegend eigenständig erschließen können. Dabei stellen sie Fragen, bilden Hypothesen, finden Beispiele, vernetzen Inhalte miteinander – und stellen ihre Ergebnisse und Erkenntnisse am Ende im Plenum zu Diskussion.
Die KMK (2012, 7) streicht hervor, dass medienkompetente Lehrkräfte der Schlüssel zu medienkompetenten Schüler/-innen sind. Das Projekt richtet sich daher an Lehrer, die unterrichtspraktische Strategien der Vermittlung „digitaler Mündigkeit“ erlernen.
Lehrer/innen an Sekundarschulen lernen in einem forschenden Lehr/Lern-Arrangement Instrumente der Meinungs- und Willensbildungsbeeinflussung kennen: z.B. Algorithmen, social bots, dark posts, Strategien von professionellen „influencern“ etc. Anschließend leiten diese Lehrkräfte Forschungswerkstätten für Schülerinnen und Schüler der Sek. II. Das didaktische Prinzip des forschenden Lernens des DETECT Projekts passt zu den Forderungen des JRC Science for Policy Report DigCompEdu 2017: „Selfregulated Learning: […]to enable learners to plan, monitor and reflect on their own learning, provide evidence of progress, share insights […] (S. 21).
Die Ergebnisse (IOs), welche vom Konsortium erarbeitet und getestet werden (s. nächstes Feld) sind übertragbar auf weitere Kontexte:
- Berufsbildung
- Hochschule (Dozent/innen leiten Labore mit Studierenden an)
- Erwachsenenbildung
- Jugend